Wie wichtig ist ein Tanzkurs?

Drei Tage hintereinander war ich in der Karl Rehbein Schule zum Schnupperunterricht für neun neunte Klassen, G8 und G9.
Warum mache ich das?
Ich möchte den Jungs zeigen, dass Tanzen Spaß macht, ihnen erklären, dass man nicht schwul ist, wenn man tanzt.
Die Tendenz geht immer mehr zu den Mädels, die so gerne Tanzen wollen, und es gibt immer weniger Jungs, die das als wichtig empfinden. Computerspiele bestimmen ihr Leben.
In den neunten Klassen waren viele Schüler, die in der letzten Saison bei uns im Tanzkurs waren. Es war sooo auffällig. Die Mädels und Jungs, die schon einen Tanzkurs bei uns hinter sich hatten, wirkten so viel erwachsener, als ob sie eine Klasse weiter wären. Sie waren nicht so kindisch, haben sich nicht in der Ecke versteckt und hintereinander gequetscht, um sich zu verstecken.
Ich habe mich gefragt, was macht denn hier diesen großen Unterschied aus? Warum sind die Jugendlichen so viel cooler, selbstbewusster und reifer, die schon mal bei uns nur 9 Wochen im Tanzkurs waren.
In erster Linie, denke ich, ist es der Kontakt zum anderen Geschlecht, der erlernt wird in der Tanzschule. Hier hat jeder Respekt und Achtung vor einander. Soziale Kompetenz, die jeden Tag vorgelebt wird. Und zwar durch alle Tanzlehrer, denen nachgestrebt wird wegen ihrer tänzerischen Fähigkeiten und den Normen, die bei uns Prinzip sind.
Alle unsere Schüler erlernen Umgangsformen. Wir leben sie vor, und sie möchten dazugehören und machen sie nach.
Ganz entscheidend ist der erste große Ball. Die Powerpoint Präsentation, die ihnen die Benimmregeln für den Ball vermittelt. Die Kleidung, das Auffordern, das Benehmen.
Niemals würden die Jungs freiwillig einen Anzug tragen, aber wenn es jeder muss, fühlen sie sich absolut cool in ihrem Outfit. Die Mädels lieben es, sich aufzubrezeln und machen sich schick. Der Herr bringt seiner Tanzpartnerin Blumen mit, die Dame ihm ein Geschenk. Das unterstützt die Wertschätzung für das andere Geschlecht.
Die Schüler lernen Grüßen und verabschieden, sich mit ihrem Namen vorzustellen, sie lernen was richtig oder falsch ist.
Das alles gibt ihnen Sicherheit, Selbstbewusstsein, und sie fühlen, dass man dadurch im Leben was erreichen kann.
Entscheidend ist, fühle ich, dass wir ihnen immer viel Wertschätzung entgegen bringen, Respekt und Achtung für sie haben und vor allem jeden Schüler so annehmen wie er ist.
Das ist sicher der Grund, dass unsere Schüler mehr an sich glauben und so viel mehr im Kurs mitnehmen als nur Tanzschritte. Wie oft wird unterschätzt, was ein Tanzkurs den Kindern bringt, und wie überall ist der finanzielle Aspekt ein Argument, dass viele Eltern froh sind, wenn sie das Geld sparen können, weil das Kind keinen Tanzkurs will.  Lieber in seinem Zimmer vor dem Computer sitzt und im Internet spielt.
Nach meiner Meinung ist es ein Fehler, die Schüler nicht zum Tanzkurs zu motivieren. Es ist nicht der IQ sondern die soziale Kompetenz, die aus den Kindern erfolgreiche Menschen macht.

Premierenball

Wieder einmal liegt der große Premierenball hinter uns.
Die Aufregung vorher war wie immer sehr groß, das färbt auch auf die Tanzlehrer ab.
Die Showformationen probten zwischen allen Kurszeiten und strebten nach Perfektion.
Kostüme wurden verkleinert oder vergrößert, Schritte wurden geübt und die Aufstellung wurde immer wieder verändert, weil wieder einer fehlte, der sonst an dieser Stelle stand.
Die Tanzlehrer fragen vor dem Ball jedes Mädchen: “Hast du einen Mann zum Ball?“ und hören oft: “Ja, aber der gefällt mir net“, oder: „Den will ich net.“, und dann kommt die Antwort: „ Den nimmst du jetzt, wir haben keinen anderen“.
Es hat sich in der Hinsicht nichts geändert. Schon zu meines Vaters Zeiten gab es immer Herrenmangel. Das zieht sich bis zu den Erwachsenen hoch, denn viele Männer tanzen nicht gern und tun es oft nur ihrer Frau zu liebe.
Besonders froh sind wir über die vielen Gastherren, die uns immer wieder unterstützen und gerne die Mädels betanzen.
Am Ende hatte wieder, wie in den letzen 61 Jahren, in denen die Tanzschule besteht, jede einen Mann, und alles war gut.
Wenn ich darüber nachdenke, was heute anders ist als früher, dann sind es die Erwartungen, die an das tägliche Leben gestellt werden. Sie waren zu meinen Zeiten einfach weniger hoch.
Wir haben die Dinge so genommen wie sie waren und waren auch mit weniger zufrieden. Die Hauptsache war, wir hatten einen Tanzpartner.
Unsere Schülerinnen aus den Grundkursen warten meistens auf den Traummann, der bildhübsch ist, sich außergewöhnlich cool benimmt und schon richtig gut tanzen kann.
Ja, im Fernsehen klappt das ja auch, da laufen die attraktiven coolen Jungs massenhaft durchs Bild. Nur im richtigen Leben gibt es die gar nicht, und es läuft leider nicht so toll, da muss man erst mal durch.
Wie gut erinnere ich mich an meine Zeiten als 14 Jährige. Nicht nur, dass alle Jungs, die ich wollte, meine Freundin ganz besonders toll fanden, sondern, dass auch in der Schule und Zuhause nichts so richtig lief.
Einfach war es nicht, aber es hat mich geprägt und mir fürs spätere Leben viel gebracht, denn auch heute läuft nicht immer alles so, wie ich es will.
Unseren Jugendlichen zu vermitteln, dass das Leben nicht immer nach den eigenen Wünschen verläuft, ist das schwerste in der Erziehung heutzutage.
Die Eltern versuchen alles möglich zu machen, der Flachbildschirm im Zimmer, der Computer auf dem neusten Stand, das Handy oder IPhone, das IPad, die Markenklamotten und und und, aber macht es unsere Kinder glücklicher? Ich glaube nicht.
Sie müssen, genau wie wir, ihre eigenen Erfahrungen machen. Dadurch werden sie für ihr späteres Leben fit.
Einfach einmal nein zu sagen fällt uns Eltern schwer, aber manchmal sollten wir uns dazu durchringen, weil es unseren Kindern für die Zukunft gut tut.

Treppe rauf und runter – wer geht vor? Was ist alt, was neu?

Früher: Der Herr sollte immer vor der Dame die Treppe hinaufgehen, damit er auf keinen Fall auch nur ein Stück „entblößtes“ Bein zu sehen bekam. Dies entstand zu den Zeiten, in denen die Damen ausnahmslos lange Röcke trugen, die sie gezwungenermaßen beim Treppensteigen anheben mussten, um nicht im Saum hängen zu bleiben.
Gleiches galt für die Umkehrung, wenn es treppab ging. Da sollte früher die Dame vorausgehen.
Beides war für die Frau lebensgefährlich. Wäre sie gestürzt, wäre die Verletzung vorprogrammiert.
Heute: Bei beiden Wegen ist die Reihenfolge umgedreht. Der Herr geht hinter der Dame die Treppe hoch, vor ihr hinunter. So ist eine echte Hilfestellung möglich.
Er geht eine Stufe tiefer als sie, maximal zwei Stufen. In diesem geringen Abstand ist ein Blick unter den Rock ausgeschlossen. Ich habe es in meiner Tanzschule schon „in echt“ probiert.
Außerdem: Diese Empfehlung des „Arbeitskreises für Umgangsformen international“ gilt nur für den Fall, dass eine Treppe zu schmal ist, nebeneinander zu gehen, was sonst die optimale Lösung ist.