Premierenball

Wieder einmal liegt der große Premierenball hinter uns.
Die Aufregung vorher war wie immer sehr groß, das färbt auch auf die Tanzlehrer ab.
Die Showformationen probten zwischen allen Kurszeiten und strebten nach Perfektion.
Kostüme wurden verkleinert oder vergrößert, Schritte wurden geübt und die Aufstellung wurde immer wieder verändert, weil wieder einer fehlte, der sonst an dieser Stelle stand.
Die Tanzlehrer fragen vor dem Ball jedes Mädchen: “Hast du einen Mann zum Ball?“ und hören oft: “Ja, aber der gefällt mir net“, oder: „Den will ich net.“, und dann kommt die Antwort: „ Den nimmst du jetzt, wir haben keinen anderen“.
Es hat sich in der Hinsicht nichts geändert. Schon zu meines Vaters Zeiten gab es immer Herrenmangel. Das zieht sich bis zu den Erwachsenen hoch, denn viele Männer tanzen nicht gern und tun es oft nur ihrer Frau zu liebe.
Besonders froh sind wir über die vielen Gastherren, die uns immer wieder unterstützen und gerne die Mädels betanzen.
Am Ende hatte wieder, wie in den letzen 61 Jahren, in denen die Tanzschule besteht, jede einen Mann, und alles war gut.
Wenn ich darüber nachdenke, was heute anders ist als früher, dann sind es die Erwartungen, die an das tägliche Leben gestellt werden. Sie waren zu meinen Zeiten einfach weniger hoch.
Wir haben die Dinge so genommen wie sie waren und waren auch mit weniger zufrieden. Die Hauptsache war, wir hatten einen Tanzpartner.
Unsere Schülerinnen aus den Grundkursen warten meistens auf den Traummann, der bildhübsch ist, sich außergewöhnlich cool benimmt und schon richtig gut tanzen kann.
Ja, im Fernsehen klappt das ja auch, da laufen die attraktiven coolen Jungs massenhaft durchs Bild. Nur im richtigen Leben gibt es die gar nicht, und es läuft leider nicht so toll, da muss man erst mal durch.
Wie gut erinnere ich mich an meine Zeiten als 14 Jährige. Nicht nur, dass alle Jungs, die ich wollte, meine Freundin ganz besonders toll fanden, sondern, dass auch in der Schule und Zuhause nichts so richtig lief.
Einfach war es nicht, aber es hat mich geprägt und mir fürs spätere Leben viel gebracht, denn auch heute läuft nicht immer alles so, wie ich es will.
Unseren Jugendlichen zu vermitteln, dass das Leben nicht immer nach den eigenen Wünschen verläuft, ist das schwerste in der Erziehung heutzutage.
Die Eltern versuchen alles möglich zu machen, der Flachbildschirm im Zimmer, der Computer auf dem neusten Stand, das Handy oder IPhone, das IPad, die Markenklamotten und und und, aber macht es unsere Kinder glücklicher? Ich glaube nicht.
Sie müssen, genau wie wir, ihre eigenen Erfahrungen machen. Dadurch werden sie für ihr späteres Leben fit.
Einfach einmal nein zu sagen fällt uns Eltern schwer, aber manchmal sollten wir uns dazu durchringen, weil es unseren Kindern für die Zukunft gut tut.