Vom großen Glück Großeltern zu werden

Gerne erinnere ich mich an meine Oma, die mich und meine Cousine in den ersten Jahren großgezogen hat. Wir wohnten in der Marköbeler Straße in einem kleinen Haus mit riesigem Garten.

Hauptsächlich verbrachten wir Kinder unsere komplette Freizeit draußen.

Es gab ja im Haus nichts zu tun. Einen Fernseher gab es erst als wir acht waren und die drei Programme fingen ab 17 Uhr an mit Nachrichten. Außerdem schaute dann mein Großvater seine Sendungen und wir Kinder saßen nie davor. 

Wir spielten auf der Straße zusammen mit den Nachbarskindern Dickemann und Gummitwist oder im Garten Gärtnerei und topften Unkrautpflanzen in die Töpfe. Manchmal liefen wir auch bis zur Kinzig und spielten am Wasser. Niemand wußte wo wir waren und keinen kümmerte es was wir so trieben. Meine Oma erntete Gemüse aus dem Garten und kochte irgendwas draus. Ich erinnere mich noch an knusprige Kartoffelpfannkuchen mit Apfelmus von unseren Bäumen. Wir hatten auch einige Hühner und eine Ziege, die uns immer verfolgte und auf die Hörner nehmen wollte. Kindergärten gab es nicht und zur Pestalozzischule liefen wir allein. Der Weg zu Fuß war bis zu dreißig Minuten lang und wir kamen immer an.

Für uns Kinder war es selbstverständlich, dass wir nur eine Toilette hatten und kein Bad. Die Blechbadewanne kam jeden Freitag in die Küche und einmal in der Woche baden schien ausreichend.

Ich erzähle oft meinen Enkelkindern, die dieses Jahr sechs und 10 Jahre alt werden von meiner Kindheit. Wie schön ist es, dass sie meine Geschichten so gerne hören, weil das für sie unvorstellbar ist, wie wir ohne Handy und Switch auskommen konnten. Eine völlig neue Welt umgibt sie und ihr Leben ist ausgefüllt von Pokemons, Barbies und etlichen anderen Spielsachen.

Ja die Welt hat sich in meinen Lebensjahren für uns damals unvorstellbar weiter entwickelt.

Ich genieße es jeden Tag, ihre Entwicklung zu verfolgen und stimme allen zu, dass die Zeit nur so fliegt. Gestern noch ein Baby und plötzlich Schulkinder, die auf mich schon so erwachsen wirken. Ihre Gedankengänge mitzuerleben wenn sie mir ihre innersten Wünsche mitteilen ist wunderbar. Ich habe wirklich Glück, denn beide haben meine Redelust geerbt, und reden ununterbrochen mit mir und Opa.

Opa spielt eine wichtige Rolle in ihrem Leben. Er ist derjenige, der alles reparieren kann, Puppenhäuser baut und jetzt mit unserem großen Enkel eine Landschaft für die 100 Pokémon Figuren entwickelt. Unser zehnjähriger darf die Bohrmaschine bedienen und Nägel einschlagen. Er liebt mit Werkzeug umzugehen und so mancher Ausflug ins Bauhaus ist ganz nach dem Geschmack meines Ehemannes. Unsere sechsjährige hat gestern mit mir mit großer Geduld alle Johannisbeeren vom Strauch gepflückt und wir haben zwei Gläser Johannisbeergelee gekocht.

Sie hat stolz eins für Mama mitgenommen.

Enkel stellen einen wichtiger Faktor im Leben von Großeltern dar und machen alles schöner. „unconditional love“ verbindet sie mit den Kleinen, weil sie große Aufgabe der Erziehung an die Eltern abgeben können. Sicher sind sie nicht unanstrengend, aber sie werden ja auch wieder von Mama abgeholt und man kann sich danach auf die Couch legen.

Das ist wohl der entscheidende Faktor, dass die große Verantwortung für den Erfolg in der Schule und im weiteren Leben bei den Eltern liegt.

Die Großeltern haben auch mehr Muse und nehmen sich Zeit, was Eltern meistens durch ihre Arbeit im Tagesverlauf nicht können.

Nun sind in meinen Tanzkreisen einige Paare zu Großeltern geworden und in unseren Gesprächen ist die Freude am Zuwachs in der Familie überall zu erkennen.

Da kann man nur hoffen, dass die Kleinen noch lange gerne zu Opa und Oma kommen möchten. Sie sind besonders in der Pubertät bei uns herzlich willkommen. Bin mal gespannt wie das wird, und ob ich eine ähnlich wilde Pubertät wie bei meiner Tochter miterleben darf. Diesmal wird sie ja von Mama wieder abgeholt. Freu mich drauf.

In diesem Sinne grüße ich alle Großeltern herzlich aus der Tanzschule und wünsche ihnen weiterhin eine herrliche Zeit mit unseren Kleinen.

Ihre Ute Berné