Das 70 jährige Jubiläum der Tanzschule Berné in Hanau ist ein schöner Anlass auf ihre Geschichte zurückzublicken.

Der 1911 in Offenbach geborene Ballettmeister Carl Berné, von Freunden nur Charly genannt, war Tänzer aus Leidenschaft und baute sich in Hanau nach dem Krieg eine neue Existenz auf. Dazu musste er sich aber zunächst das Geld verdienen, indem er schon 4 Wochen nach Kriegsende über Land reiste und gemeinsam mit seiner Frau Irmgard  Tanzkurse in Schöllkrippen, Usingen, Bergen Enkheim, Karben und rund um Hanau gab.

1951 fanden meine Eltern am Marktplatz15 Räumlichkeiten, in denen sie Tanzkurse anbieten konnten. Damals gab es noch kein Holzparkett. Getanzt wurde auf rotgestrichenem, geschliffenem Straßenasphalt, und vor den Tanzstunden musste erst der Kanonenofen angeheizt werden. Es gibt noch ehemalige Schüler, die von ihren roten Hemdkragen nach den Tanzstunden berichten, da der Boden die rote Farbe verloren hatte.

Ganze 100 Quadratmeter hatten die Unternehmensgründer damals zur Verfügung. Dazu kam, dass die Menschen zu dieser Zeit kein Geld hatten und sich die 30 Mark für die dreimonatigen Kurse mühsam vom Munde absparen mussten. Damals ging es ums reine Durchhalten. Der Durchbruch war erreicht, als es gelang, die Schüler in die Tanzschule zu ziehen, denn hatte man die Schüler gewonnen, war die zukünftige Kundschaft gesichert.

!959 beschlossen Charly und Irmgard Berné eigene Räume zu suchen und fanden ein Trümmergrundstück in der Stresemannstraße 7. Dort bauten sie ihr eigenes Haus, in dem die Tanzschule heute noch beheimatet ist. Den Umzug vom Marktplatz organisierten damals die Schüler selbst und trugen die Stühle, Tische und den Plattenspieler vom Marktplatz in die Stresemannstraße. Der Gemeinschaftssinn und der Zusammenhalt der Tanzschüler aller Altersklassen war zu dieser Zeit überragend.

In der Nachkriegszeit war das Wichtigste der Wiederaufbau. Damals war der soziale Zusammenhalt sehr stark ausgeprägt. Die Sehnsucht, wieder unbeschwert zusammen sein zu können und Freude am Leben zu haben war groß und Tanzen war der erste Schritt zur Normalität.

Erstaunlicherweise hatten Carl und Irmgard Berné schon vier Wochen nach Kriegsende gut besuchte Tanzkurse in Orten rund um Hanau.

Die Tanzkurse stellten für Jugendliche und Erwachsene einen Höhepunkt der Woche und ein einschneidendes Erlebnis dar.

Es gab wenig Freizeitangebote und die Tanzschule war ein wichtiger und sicherer Ort, um mit anderen zusammen sein zu können.

Auch heute noch ist eine Tanzschule ein wichtiger Baustein für das gesellschaftliche Leben, und ein Ort wo Gemeinschaftsgeist und Toleranz gepflegt werden, 

Jeder kann und soll so sein wie er ist und darf sich ausleben.

Heute im 21. Jahrhundert ist nichts davon verloren gegangen. Für viele Jugendliche und Erwachsene bietet die Tanzschule einen Ort um gesellschaftlich zusammen zu sein und beim Tanzen Lebensfreude zu genießen.

Für die Jugendarbeit, der wir uns über mehr als 70 Jahre verpflichtet fühlen, leistet das  besonders wertvolle Unterstützung.

Sie macht im Laufe der Tanzschulzeit aus ängstlichen in sich verschlossenen und kontaktfremden jungen Menschen selbstbewußte Mitglieder der Gesellschaft. Die Kombination der Vermittlung von sozialen Umgangsformen und der völligen Akzeptanz der Jugendlichen verändert ihren Blick auf die Gesellschaft und sie fühlen sich in der Mitte von Gleichaltrigen wieder zugehörig. 

Unser Welttanzprogramm (WTP) für den Paartanz wurde am 11.12. 2019 ins „Register Guter Praxisbeispiele der Erhaltung Immateriellen Kulturerbes“ von der deutschen Unesco-Kommission aufgenommen.

Das WTP spielt international eine große Rolle, da es Menschen aller Altersgruppen, Geschlechter, Religionen und Glaubensrichtungen zusammenführt. Auf der ganzen Welt kann dadurch jeder mit jedem die selben Grundschritte tanzen. Friedlich, harmonisch mit Toleranz vereint.

Alle Anfänger lernen einen Stil , der natürlich und elegant wirkt und zu jedem gesellschaftlichen Anlass passt. Das Paar soll die gespielte Musikrichtung erkennen (z.B. Disco, Swing, Walzer oder Salsa) und darauf den passenden Tanz auswählen können.

Die Grundschritte sollen weltweit gleich sein, damit alle in jedem Land in jeder Tanzschule miteinander tanzen können.

Vielleicht habe ich hiermit auch ihr Interesse geweckt, in diesem Jahr mit ihrer tänzerischen Karriere zu beginnen.

Für heute grüßt Sie herzlich

Ihre Ute Berné

„Wenn es ein Geheimnis des Erfolges gibt, dann ist es das: den Standpunkt des anderen zu verstehen und zu versuchen, die Dinge mit seinen Augen zu sehen.“

Klingt das nicht einfach, liebe Leserin, lieber Leser?

Ist es aber nicht und vielen fehlt das Verständnis für einen völlig anderen Standpunkt. Zu Zeiten einer schlimmen Pandemie ist es für viele nicht nachvollziehbar, andere Meinungen zum Thema impfen oder nicht, zu akzeptieren. Meistens hat es wirtschaftliche Gründe, denn wenn das eigene Unternehmen oder der Beruf durch sämtliche Corona Beschränkungen gefährdet ist, geht es um die Existenz. Da liegt es auf der Hand, dass man sich wünscht, dass durch die Impfung aller Mitbürger keine weiteren Virus Mutationen auftreten und die Pandemie zu Ende geht.

Kultur und Freizeiteinrichtungen, die von Veranstaltungen leben, leiden mit starkem Rückgang der Umsatzzahlen. Solokünstlern fehlen Engagements und Auftritte. Das bringt sie und ihre Familien in finanzielle Probleme und große Existenzängste. 

Das ist nicht schwer nachzuvollziehen, wenn man sich in ihren Standpunkt versetzt und ihre Situation erkennt.

Durch das Ende der 2G Regelung wünsche ich jetzt unseren Einzelhändlern, daß es für sie mehr Kunden in ihren Geschäften gibt, und die Umsatzzahlen wieder besser werden. Ohne Einzelhandel ist unsere Stadt sehr arm, und für was geht man dann noch zum Einkaufsbummel in die Stadt wenn sie schließen müssen. Ich hoffe sehr, daß weniger im Online Handel gekauft wird und mehr bei unseren Hanauern Geschäftsinhabern, die davon leben. Die Beratung und der freundliche Umgang mit ihren Kunden ist in den Geschäften unserer Stadt großartig und es ist immer ein schönes Erlebnis.

Ich bin sicher, daß bald, nach zwei Jahren, bessere Zeiten kommen werden und wünsche allen gute Geschäfte.

Es grüßt sie herzlich

Ihre Ute Berné

Man lernt nie aus …,

Denn das wusste ich nicht, dass der umtriebige Adolf Freiherr von Knigge mehrere Jahre in Hanau gelebt hat.

Da erfährt man bei einem schönen Mädelsabend bei einer lieben Freundin, dass es ein Büchlein von Professor Gerhard Bott gibt, in dem „Briefe eines Schweizers über das Wilhelmsbad bei Hanau“ vom Herausgeber Joachim Schulmerich vom ConCon-Verlag veröffentlicht sind.

Warum das so aufregend für mich war, erklärt sich durch mein Wirken als Knigge Trainerin und dadurch mein großes Interesse an der Person Adolf von Knigge.

Ich wusste zwar, dass er in seinem Buch „Über den Umgang mit Menschen“ nur wenig über Benimmregeln geschrieben hatte, und dass er an vielen Höfen nach einer relativ kurzen Zeit unbeliebt war, aber ich wusste nicht, dass er durch seine „Schweizer Briefe“ unseren Wilhelmsbader Brunnen überall bekannt machte.

So kam der junge Baron Knigge im Sommer 1977 nach Hanau, welches in dieser Zeit kulturell und intellektuell mit dem Theater, zahlreichen Malern, Bildhauern und der Zeichenakademie eine sehr lebendige Atmosphäre hatte.

Er hatte nämlich vergeblich versucht, am Hof des Landgrafen in Kassel eine dauerhafte Anstellung zu finden. 

1971, als 19 Jähriger, war er zum „Hofjunker“ und später „Assesor bei der Domänenkammer“ ernannt worden, aber durch sein offenes Reden und seine Kritik an den höfischen Verhältnissen hatte er sich so viele Feinde gemacht, dass er sich einen anderen Hof suchen musste. Nach etlichen Versuchen, in anderen Höfen eine Anstellung zu finden, kam er auf die Idee, nach Hanau zu ziehen.

Die Hoffnung, bei dem Sohn des Kasseler Landgrafen ein Hofamt zu erhalten, erfüllte sich mit dem Titel „Maitre de plaisir“ (so ähnlich wie Tanzlehrer😜?) In diesem Amt war er bei den Damen der Gesellschaft sehr gern gesehen.

Gerne zitiere ich seine Schilderung über seine Eindrücke in Hanau:

„Da bin ich seit einigen Tagen in diesem wahrhaft niedlichen Städgen! Ich bin den 16ten zum ersten Mal an den Hof gegangen, und wenn ich je einen Hof gesehen habe, wo mir alles so wohl gefallen hat, so war es dieser. So viel ungezwungene Höflichkeit gegen Fremde, so ein guter nicht geschraubter Ton; so eine gute, gnädige Herrschaft; so viel Häuslichkeit und Einigkeit…“

Was für ein schönes Kompliment für unsere damalige Stadtgesellschaft! 

Die fortschrittlichen Ideen des Freiherren überzeugten den Erbprinz und er folgte seinen Vorstellungen und errichtete einen weiteren Theatersaal im Stadtschloss.

Leider bekam der Freiherr trotzdem immer noch keine feste Anstellung, und er strengte sich sehr an, dem Fürsten und seiner Umgebung zu gefallen.

In dieser Zeit erschienen zahlreiche Veröffentlichungen von ihm, in denen er auch das Hanauer Publikum mutig kritisierte: „ Ich lebe an einem Ort, wo der wahre Geschmack an der Litteratur und besonders in Schauspielen noch nicht durch die Wolken der Mode, des Voruhrtheils und des Ansehens gedrungen ist. Das Theater sieht man blos nur als eine Ergötzlichkeit…..“ 

Auch in seiner nächsten Abhandlung geht Knigge mit denjenigen ins Gericht, die sich anmaßten, ohne eigene Kenntnisse über dieses und jenes heftige Kritik zu üben, er rügte ungerechtfertigte Urteile über die „Wissenschaften“, die „Musik“ und die „Kunst“. „ Über keine Sache aber urteilt heut zu Tage jedermann entscheidender, ohne eigene Kenntnisse davon zu haben, als über die schönen Künste.“

Unfassbar, wie das immer noch auf unsere heutige Zeit zutrifft. Ich denke im Moment an unser heutiges „Social Media“ an all die Meinungen und Kritiken, die geäußert werden, ohne wirklich von der Sache  Kenntnis zu haben.

Das hat Knigge 1778 geschrieben und das trifft auch nach über 200 Jahren auf unsere Gesellschaft zu.

Lange hielt er es in Hanau aber nicht aus, denn schon im Juni 1780 zog er in einen Vorort von Frankfurt und von dort im Mai 1783 weiter nach Heidelberg, welches er 1787 wieder verließ. Über Hannover, wo er sein mir bekanntes Buch „ Über den Umgang mit Menschen“ 1988 veröffentlichte, gelangte er 1790 nach Bremen, wo er im Mai 1796 verstarb. 

Zu erwähnen ist noch, dass unser „Guter Brunnen“ in Wilhelmsbad nach dem Erbprinz Wilhelm IX, der damals in Hanau residierte, benannt wurde.

Ich fand diese Historie sehr interessant und da ist was dran: Im Alter interessiert man sich viel mehr für die Geschichte seiner Heimat und für mich war Adolf von Knigge eine sehr schillernde Person. Vielleicht für die damalige Zeit etwas zu (ich suche nach dem Wort) außergewöhnlich!

Eine schillernde Persönlichkeit

Adolf Friedrich Ludwig Freiherr Knigge –

Sein Nachnahme ist in Deutschland bekannt, da er die gleiche Bedeutung für Benimm und Umgangsformen hat. Daher wurde er in Deutschland als der große Vorreiter für Benimm und Umgangsformen gesehen.

Aber wer war er und wer weiß denn eigentlich, dass der Freiherr niemals Benimmpapst sein wollte?

Bekannt ist, dass er ein Aufklärer und deutscher Schriftsteller war, der durch sein Buch: „On Human Relations“ (Über den Umgang mit Menschen), welches 1788 erschien, großen Erfolg hatte. Weitere Bücher von ihm hatten den Titel: „practical philosophie of social life“ oder „the art of conversing with men“.

Ihm ist zu verdanken, dass das Miteinander der Menschen heute weit von der alten und steifen höfischen Etikette gelöst ist.

1752 geboren in Hannover wurde er mit 14 Jahren Vollwaise und erbte das hochverschuldete Rittergut des Vaters. Verwaltet wurde das Gut von den Gläubigern und ihm wurden 500 Taler jährlich für seinen Lebensunterhalt zugestanden. Das war für damalige Verhältnisse ein Hungerlohn.

Er studierte von 1769 bis 1772 Jura in Göttingen und war ein großer Freigeist.

Der Umgang am Hof war für ihn mit der Blasiertheit und der höfischen Etikette schwer zu ertragen. Er war zu spöttisch, zu ironisch und satirisch und auch verlogen mit anderen.

Deshalb setzte er seine Hoffnung auf eine andere Klasse: Das Bürgertum. 

So landete er auch während der französischen Revolution deswegen im Gefängnis.

Knigge war mit Henriette von Baumbach bis zu seinem Tod 1796 in Bremen verheiratet und hatte mit ihr fünf Kinder.

Jedem lebensklugen Menschen ist zu empfehlen, sich an seine freiheitsliebenden Gedanken zu halten. Wie er damals schon schrieb: „Alle Menschen werden Brüder.“

Um Etikette Regeln kümmerte er sich kaum, denn einen einzigen Satz widmete er den Regeln auf eine Frage, wer hinter wem die Treppe hinauf und herabsteigt, wohin der Saucenlöffel gehört und dass man in Gesellschaft nicht flüstern sollte.

Sein bemerkenswertes Schlusswort ist aber überliefert. Frei nach dem Motto: Nur wer die Regeln kennt, weiß mit ihnen zu spielen.

Seine wichtigste Aussage ist, dass Knigge kein Regelwerk ist, sondern „Herzensbildung statt Regelkorsett.“

Das genau ist der Inhalt unserer Umgangsformen im Jahr 2021 und eine tolle Überlieferung für  uns, nach mehr als 200 Jahren.

Für heute grüßt sie herzlich 

Ute Berné 

Geschlechtersprache

Liebe „ Alle“,

Als ich diese Anrede zum ersten Mal bekam, war ich sehr im Zweifel, ob sie wohl „Knigge-like“ sei, gleichzeitig fand ich sie witzig und lesenswert. Ich könnte mich sicher daran gewöhnen.

In der Bevölkerung gibt es ja im Moment viele Diskussionen über die „Gender“ Sprache und mehr Gegner als Befürworter.

Bereits im November 2017 hat der Senat des Bundesverfassungsgerichts entschieden, dass es mit Blick auf das Personenstandrecht die Möglichkeit der Eintragung eines dritten Geschlechts zu geben hat. Die gesetzgebende Instanz hat entschieden, dafür den Begriff „divers“ zu verwenden. Aber wie praktikabel ist das im „ganz normalen Alltag“? Oder betrifft das diesen gar nicht?

In der Schriftform betrifft es sicher alle Menschen im Alltag, die beruflich mit Menschen schriftlich in Kontakt treten. Die verschiedenen Berufsgruppen nicht nur in der männlichen sondern auch in der weiblichen Form anzusprechen, ist für viele heutzutage selbstverständlich.

Stellenanzeigen, die in Klammern mit w/m/d erklärt werden, werden als politisch korrekt angesehen und viel praktiziert. Allein die Knigge Regel, dass es heute üblich ist, sich mit Vor-und Nachnahmen vorzustellen und nicht als Frau oder Herr, unterstützt die geschlechtergerechte Sprache im täglichen Leben.

Die Schriftform mit Sternchen wie Bürger*innen oder Politiker*innen wirft beim Aussprechen aber bei vielen Menschen Antipathien auf. Nicht umsonst gab es eine Flut von bösen Kommentaren über die ehemalige Tagesschausprecherin als sie in den Nachrichten „Bürger*innen mit Sternchen umständlich aussprach.

Trotzdem ist eine Studie in Berlin bei fast 600 Grundschülern bemerkenswert, in der in einer Gruppe verschiedene Berufe wie Arzt, Pilot, Handwerker oder Politiker in der männlichen Form an die Tafel geschrieben wurden und bei der zweiten die weiblichen Formen dieser Berufe  wie Ärztin, Pilotin, Handwerkerin oder Politikerin. In der anschließenden Diskussion konnten sich in der zweiten Gruppe viel mehr Mädchen vorstellen, diese Berufe später mal zu ergreifen als in der ersten. Das bedeutet, dass Sprache doch einen starken Einfluss auf die Kinder hat.

Andere Studien beweisen, dass Menschen tatsächlich an einen männlichen Arzt denken wenn von „Ärzten“ die Rede ist und infolgedessen den männlichen Vertretern dieses Berufes mehr zutrauen. 

Zu diesen Menschen gehöre ich zum Glück nicht, da ich selbst überaus kompetente Ärztinnen kenne.

Aber auch ich bin skeptisch beim „Gendern“ in Medien und Zeitungen wenn die Lesbarkeit von Texten darunter leidet.

Man könnte doch die Plural-Lösung wählen, denn -beispielsweise „Kinder“, „Fortgeschrittene“, „Jugendliche“, „junge Menschen/Leute“, „Eltern“, „Mitglieder“ sowie „Erwachsene“ als Plural sind von Natur aus geschlechtergerecht und ersetzten das „Leserinnen und Leser“.

Man muss also die „Gendersprache“ nicht komplett ablehnen und kann im eigenen Umfeld durchaus bei Gewohnheiten bleiben. Das entscheidet jeder für sich.

Allerdings gibt es klare Vorgaben nach denen in der Kunden-und internen Kommunikation oder  in Verträgen nicht mehr nur die männliche Form benutzt werden darf.

Auch wir werden uns daran gewöhnen, denn Sprache bleibt immer lebendig und ändert sich auch mit dem Zeitgeist.

Ich, zum Beispiel, kann mich nicht an das Wort „drinne“ gewöhnen, dass im Moment viel auch von Erwachsenen im Wortschatz verwendet wird. Man muss es ja nicht annehmen.

Einig sind wir uns sicher alle, dass der Weg zur Emanzipation erst dann vollzogen ist, wenn in allen Bereichen die Frau für die gleiche Arbeit auch das dementsprechende Gehalt ihrer männlichen Kollegen auf ihrem Konto hat, und die Wertschätzung für alle Menschen zum täglichen Umgang gehört.

In diesem Sinne, liebe Leserinnen und Leser grüße ich sie für heute herzlich

Ihre 

Ute Berné

Vom großen Glück Großeltern zu werden

Gerne erinnere ich mich an meine Oma, die mich und meine Cousine in den ersten Jahren großgezogen hat. Wir wohnten in der Marköbeler Straße in einem kleinen Haus mit riesigem Garten.

Hauptsächlich verbrachten wir Kinder unsere komplette Freizeit draußen.

Es gab ja im Haus nichts zu tun. Einen Fernseher gab es erst als wir acht waren und die drei Programme fingen ab 17 Uhr an mit Nachrichten. Außerdem schaute dann mein Großvater seine Sendungen und wir Kinder saßen nie davor. 

Wir spielten auf der Straße zusammen mit den Nachbarskindern Dickemann und Gummitwist oder im Garten Gärtnerei und topften Unkrautpflanzen in die Töpfe. Manchmal liefen wir auch bis zur Kinzig und spielten am Wasser. Niemand wußte wo wir waren und keinen kümmerte es was wir so trieben. Meine Oma erntete Gemüse aus dem Garten und kochte irgendwas draus. Ich erinnere mich noch an knusprige Kartoffelpfannkuchen mit Apfelmus von unseren Bäumen. Wir hatten auch einige Hühner und eine Ziege, die uns immer verfolgte und auf die Hörner nehmen wollte. Kindergärten gab es nicht und zur Pestalozzischule liefen wir allein. Der Weg zu Fuß war bis zu dreißig Minuten lang und wir kamen immer an.

Für uns Kinder war es selbstverständlich, dass wir nur eine Toilette hatten und kein Bad. Die Blechbadewanne kam jeden Freitag in die Küche und einmal in der Woche baden schien ausreichend.

Ich erzähle oft meinen Enkelkindern, die dieses Jahr sechs und 10 Jahre alt werden von meiner Kindheit. Wie schön ist es, dass sie meine Geschichten so gerne hören, weil das für sie unvorstellbar ist, wie wir ohne Handy und Switch auskommen konnten. Eine völlig neue Welt umgibt sie und ihr Leben ist ausgefüllt von Pokemons, Barbies und etlichen anderen Spielsachen.

Ja die Welt hat sich in meinen Lebensjahren für uns damals unvorstellbar weiter entwickelt.

Ich genieße es jeden Tag, ihre Entwicklung zu verfolgen und stimme allen zu, dass die Zeit nur so fliegt. Gestern noch ein Baby und plötzlich Schulkinder, die auf mich schon so erwachsen wirken. Ihre Gedankengänge mitzuerleben wenn sie mir ihre innersten Wünsche mitteilen ist wunderbar. Ich habe wirklich Glück, denn beide haben meine Redelust geerbt, und reden ununterbrochen mit mir und Opa.

Opa spielt eine wichtige Rolle in ihrem Leben. Er ist derjenige, der alles reparieren kann, Puppenhäuser baut und jetzt mit unserem großen Enkel eine Landschaft für die 100 Pokémon Figuren entwickelt. Unser zehnjähriger darf die Bohrmaschine bedienen und Nägel einschlagen. Er liebt mit Werkzeug umzugehen und so mancher Ausflug ins Bauhaus ist ganz nach dem Geschmack meines Ehemannes. Unsere sechsjährige hat gestern mit mir mit großer Geduld alle Johannisbeeren vom Strauch gepflückt und wir haben zwei Gläser Johannisbeergelee gekocht.

Sie hat stolz eins für Mama mitgenommen.

Enkel stellen einen wichtiger Faktor im Leben von Großeltern dar und machen alles schöner. „unconditional love“ verbindet sie mit den Kleinen, weil sie große Aufgabe der Erziehung an die Eltern abgeben können. Sicher sind sie nicht unanstrengend, aber sie werden ja auch wieder von Mama abgeholt und man kann sich danach auf die Couch legen.

Das ist wohl der entscheidende Faktor, dass die große Verantwortung für den Erfolg in der Schule und im weiteren Leben bei den Eltern liegt.

Die Großeltern haben auch mehr Muse und nehmen sich Zeit, was Eltern meistens durch ihre Arbeit im Tagesverlauf nicht können.

Nun sind in meinen Tanzkreisen einige Paare zu Großeltern geworden und in unseren Gesprächen ist die Freude am Zuwachs in der Familie überall zu erkennen.

Da kann man nur hoffen, dass die Kleinen noch lange gerne zu Opa und Oma kommen möchten. Sie sind besonders in der Pubertät bei uns herzlich willkommen. Bin mal gespannt wie das wird, und ob ich eine ähnlich wilde Pubertät wie bei meiner Tochter miterleben darf. Diesmal wird sie ja von Mama wieder abgeholt. Freu mich drauf.

In diesem Sinne grüße ich alle Großeltern herzlich aus der Tanzschule und wünsche ihnen weiterhin eine herrliche Zeit mit unseren Kleinen.

Ihre Ute Berné

Wir sehen ein Licht am Ende des Tunnels

Im Februar 2019 war wohl niemandem das wirkliche Ausmaß dieser Pandemie bekannt. Als alle Tanzschulen am 15. März schließen mussten dachte ich, dass wir nach vier Wochen wieder zu unserem alten Leben zurückkehren würden. So haben sicher viele Menschen aus Theater, Gastronomie und Kultur gedacht. Über den Sommer schien alles wieder zur Normalität zurückzukehren, aber nichts hat uns auf die Monate danach vorbereiten können. Ab ersten November mussten wir die Tanzschule komplett schließen. Keine Kurse, keine Bälle und Tanzveranstaltungen durften mehr stattfinden. Dieser Schock hielt über 8 Monate an und steckt uns allen noch im Kopf. Vieles, wie Abstand halten, Menschenmengen zu meiden und engen körperlichen Kontakt zu unterlassen wird uns nicht so schnell verlassen. Die Ängste sind immer da, dass das Virus uns selbst erwischen könnte. Erst durch die Impfungen kommt jetzt ein wenig Entspannung auf, mit auch Geimpften wieder in näheren Kontakt kommen zu dürfen.

Hier kann man der Wissenschaft großen Dank sagen, dass das so schnell geschehen ist.

Auch wir werden im August wieder alle unsere Tänzer zurück in die Tanzschule einladen und freuen uns sehr, sie alle wiederzusehen. Viele von ihnen tanzen seit Jahren jede Woche regelmäßig bei uns und bekanntlich hält ja Tanzen jung und gesund. Das sieht man den Tänzern auch an. Nicht nur ich hatte starke Entzugserscheinungen, und das körperliche Wohlbefinden hat stark gelitten. Aber was uns allen am meisten gefehlt hat war das gesellschaftliche Zusammensein. Die schönen Gespräche, der Austausch und das Zusammensein mit herzlichen Menschen. Ein gemeinsames Hobby so leidenschaftlich zu teilen schweißt eine Gruppe zusammen und läßt neue Freundschaften entstehen.

Meine Vorfreude ist groß auf die gemeinsamen Tanzstunden mit allen Tänzern.

Nicht dass ich keinen liebevollen Ehemann geheiratet hätte, aber bei einem introvertierten Mann, der gerne Stille genießt und in sich ruht, der gern im Garten arbeitet und bei nur einer Lampe stundenlang liest, kann man meinen Zustand sicher verstehen. Außerdem ist nach 45 Ehejahren alles gesagt worden, was zu sagen ist, und meine 50 Jahre Tanzschulzeit erklären den Rest.

Erwähnen will ich noch, dass wir immer noch, auch in Stille und einer Lampe, glücklich verheiratet sind und ich ihn immer lobe, wenn er den Garten so schön gemacht hat.

Licht am Ende des Tunnels gibt es auch ab September wenn wir wieder Tanzkurse für Anfänger und Fortgeschrittene, Brautpaare, Jugendliche und Kinder anbieten dürfen.
Wir alle freuen uns, über jeden Schüler, der das Tanzen mal ausprobieren möchte und ein schönes Hobby sucht.

Uns allen wünsche ich wieder eine schöne Normalität, die wir jetzt um so mehr genießen werden und allen Urlaubern eine genußvolle Freizeit und gute Erholung.

Für heute grüße ich sie, meine Leser, sehr herzlich und freue mich auf ein Wiedersehen mit ihnen.

Ihre Ute Berné

Lebenszeichen…

Hallo ihr Lieben,

Noch eine Woche und wir feiern das Osterfest, Dieses Jahr muss ich meinen selbstgebackenen Osterzopf nur mit Ehemann aufessen, ohne unsere Kinder und Enkel. Das ist traurig, aber wir können wenigstens mit FaceTime sprechen und uns sehen.

Das Schlimmste an diesem Alptraum von Virus ist, dass im Moment keiner weiß, wann  ein normales Leben wieder möglich ist. Wäre es nicht schön mit dem Tanz in den Mai wieder zurückzukommen? Wir planen auf jeden Fall während der hessischen Schulferien im Sommer mit euch zu tanzen. Jeder von euch kann dann die versäumten Tanzstunden nachholen.

An dieser Stelle möchten wir euch von ganzem Herzen danken, dass ihr uns weiter mit eurem Monatsbeitrag helft, die Arbeitsplätze unserer Tanzlehrer zu erhalten.

Das Datum für den Brüder Grimm Ball steht jetzt fest. Es ist der 26. September 2020. Behaltet einfach die Karten mit dem alten Datum daheim.

Allen, die arbeiten müssen in Pflege- und Arztberufen drücke ich meine volle Hochachtung aus und danke euch für euren Einsatz. Ich hoffe, dass die Umstände schnell besser werden.

Mit unserem Tanzschulteam, die alle zuhause sind haben wir uns gestern zum ersten Mal mit Zoom im Internet getroffen. Das war für uns alle schön, sich mal wieder zusehen. Auch wenn es nur auf dem Bildschirm war. Wir werden uns öfters bei euch melden.

Schreibt uns was ihr so macht. Wir sehnen uns nach Kontakt mit euch. Bin sehr dankbar für die WhatsApps mit den Tanzkreisen. Mit allen anderen wollen wir auch in Facebook oder Instagram in Verbindung bleiben.

Sicher ist, dass wir wieder Kalorien abtrainieren müssen. Weiß nicht wie es euch geht, aber mein ständiges Kuchenbacken und die begrenzten Bewegungen von Couch zum Bett werden sicher noch länger zu sehen sein. Am wichtigsten ist für uns alle, dass wir gesund bleiben und unseren Optimismus und Humor nicht verlieren.

Für heute sende ich euch allen die herzlichsten Grüße von uns allen.

Die Leichtigkeit des Seins – wo ist sie hin – und

Wie man mit Hausarrest umgeht und Zwangsurlaub keinen Spaß macht.

Ja einfach mal Urlaub haben mitten in der Hochsaison der Tanzschule, das klingt wirklich verlockend und positiv. Ist es aber nicht….

Die ersten Tage, und zwar genau 6, liegen heute hinter mir und produziert habe ich einen Zitronenkuchen, ein riesiges Rosinenbrot, Zitronenschnitten mit shortbread crust, Cookies, morgen gibt’s Zimtschnecken und Weißbrot. Das sind die Taten einer verzweifelten Tanzlehrerin, die in den Zwangsurlaub geschickt wurde. Und jetzt gibt mir mein Ehemann Küchenverbot, weil ich angeblich unsere Vorräte aufbrauche. Ich habe ja heute die Eier nachgekauft! Es wäre so schön, arbeiten zu dürfen. Speziell für mich gilt: Am glücklichsten bin ich beim Tanzen mit meinen sozialen Kontakten, meinem Tanzschulteam und den vielen wundervollen Menschen, die in unseren Kursen tanzen.

Die vielen Gespräche, das Lachen, zusammen tanzen, zusammen sitzen, Anteilnehmen am Leben anderer und sich in deren Gesellschaft einfach wohlfühlen. Die Leichtigkeit des Seins, die Freude am Leben, es ist einem Wackerstein auf dem Herzen gewichen. Backen hilft gegen Depressionen, es vertreibt die Ängste um die Existenz und die Zukunft. Aber ich habe im Moment keine dankbaren Abnehmer. Die Kinder und Enkel können nicht kommen. Wie schön ist es aber wenigstens unsere Medien mit WhatsApp und FaceTime zu haben. Früher musste man Rauchzeichen und Brieftauben schicken.

In dieser wirklich schrecklichen Zeit gibt es aber auch was Gutes. Ich spüre wie sehr ich mit meinen Tanzpaaren, über viele Jahre zusammengewachsen bin. Es sind Freunde, Begleiter meines Lebens, für die ich tiefe herzliche Gefühle und Verbundenheit empfinde. Das Zusammensein mit allen fehlt mir sehr genauso wie das Tanzen, aber vielleicht auch noch mehr. Ich danke euch für euer aller Loyalität, eurem Verständnis, eurer Empathie und Zuneigung. Diese Krise bringt uns allen mehr Zusammenhalt trotz Distanz. Es bringt uns Dankbarkeit wenn alles wieder so ist wie vorher. Wir werden unsere gemeinsame Zeit noch mehr genießen und wissen, dass nichts selbstverständlich ist.

Glaubt mir, alle unsere Tanzlehrer im Team freuen sich sehr auf wieder gemeinsame Zeit mit euch. Nicht nur für mich ist eine verordnete Zwangspause schrecklich.

Mein Ehemann ist nichts anderes gewohnt als zuhause zu bleiben, trotzdem ist es sicher auch für ihn eine Herausforderung mich 24/7 zu genießen. Ja wenn die 6 Kuchen nicht wären und das Gläschen Wein nach 45 Jahren Ehe??? (Habe leider keinen Emoji zur Hand).

So wie geht’s jetzt weiter für uns alle in der Tanzschule? Britt wird nächste Woche in einem Video mehr Informationen geben. Wir warten jetzt ab, ob sich die Ansteckungszahlen verringern. Im Moment sind wir in Gesprächen mit unserer Band für einen neuen Termin für den Brüder Grimm Ball im September. Sicher habt ihr euch gedacht, dass er am 18.4. nicht stattfinden darf. Alle Karten behalten natürlich ihre Gültigkeit.

Alle ausgefallenen Unterrichtsstunden werden für euch selbstverständlich nachgeholt. In den Sommerferien bieten wir genügend Termine an, damit das für jeden möglich ist. Wir wollen auf keinen Fall unsere Tanzlehrer in Kurzarbeit schicken und werden eher bei uns Kürzungen vornehmen.

Es ist unser erstes Gebot, dass wir wieder zu einem normalen Tanzschulleben zurückfinden können. Auch wenn nichts mehr so sein wird wie vorher wird uns diese schreckliche Krise noch mehr zusammenführen.

Für heute grüßt euch alle ganz herzlich aus der Küche meines Heims.

Eure Ute mit der Bitte, wenns irgendwie geht, bleibt zuhause und gesund.

PS: Alle drei Folgen vom Swing kommen online! Geht auch mit wenig Platz.

Leserbrief über die Veranstaltung im Brockenhaus

Eine hervorragende Veranstaltung der Kathinka – Platzhoff – Stiftung im Brockenhaus

Danke für einen sehr lehrreichen Abend. Es war gut über dieses Thema öffentlich zu sprechen. Jeder von uns kennt die Ängste, die ab einem gewissen Alter im Inneren schlummern, später an Demenz oder Alzheimer zu erkranken.

Franz Müntefering war eingeladen um für das Demenz-Lotsenprojekt der Stiftung zu werben.
In seinem Bericht brachte er das Thema allen Teilnehmenden auf erfrischende und sehr unterhaltsame Weise näher. Jeder von uns kam schon sei es durch die Eltern oder Angehörigen mit dem Thema Demenz oder Alzheimer in Berührung. Mir hat diese Podiumsdiskussion sehr viel gegeben. Viele Menschen verdrängen die ersten Anfänge von Demenz in der Familie und denken, wenn man nicht drüber spricht geht’s schon wieder weg. Gerade bei Menschen, die ungern über ihre inneren Gefühle sprechen ist das eine Gefahr. Ich habe gestern gelernt, dass man es ansprechen soll und allen Betroffenen Ruhe und Sicherheit und in jeder Krankheitsphase Respekt und Wertschätzung entgegenbringen muss. Jeder ist und bleibt eine einzigartige Persönlichkeit und in schweren Momenten darf keiner die Geduld verlieren. Was wir im Leben tun können, um vielleicht verschont zu bleiben, ist, solange wie möglich am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Viele Kontakte zu behalten und sich zu bewegen ist ein gutes Mittel.

„Die Bewegung der Beine ernährt das Gehirn“ sagte Franz Müntefering, „und als Prävention ist das beste Mittel zu tanzen.“
Daher bin ich in einem fantastischen Beruf, denn meine Aufgabe ist es, die Gesellschaft zum Tanzen zu bewegen. Es ist nach wie vor das schönste Hobby mit dem man sich selbst was Gutes tun kann. Also, liebe Mitbürger, melden Sie sich zum Tanzkurs an.